Der Mensch als Ressource im Mehrkatzenhaushalt spielt eine größere Rolle, als viele Katzenhalter denken. Wenn wir an Ressourcen im Mehrkatzenhaushalt denken, fallen uns meist zuerst Futter, Wasser, Katzenklos oder Liegeplätze ein. Dabei wird eine der wichtigsten Ressourcen oft völlig übersehen: Du selbst.
Für deine Katzen bist du weit mehr als der Mensch, der Futter hinstellt oder das Katzenklo sauber macht. Du spendest Sicherheit, Aufmerksamkeit, Nähe, Spiel und Beschäftigung. Genau deshalb kann auch deine Zeit und Zuwendung zu einer Ressource werden, um die konkurriert wird.
Sind Katzen wirklich eifersüchtig?
Viele Katzenhalter kennen solche Situationen.
Du setzt dich aufs Sofa und schon springt die erste Katze auf deinen Schoß. Kurz darauf kommt eine zweite dazu und drängt sich dazwischen. Oder du kommst nach Hause und eine Katze wartet bereits an der Haustür, während eine andere kaum eine Chance hat, zuerst begrüßt zu werden.
Schnell entsteht der Eindruck, Katzen seien eifersüchtig.
Ob Katzen Eifersucht so empfinden wie wir Menschen, ist wissenschaftlich allerdings bisher nicht eindeutig belegt. Eifersucht ist eine sehr komplexe Emotion. Wahrscheinlicher ist, dass Katzen um eine für sie wichtige Ressource konkurrieren. Und genau dazu kannst auch du gehören.
Warum der Mensch als Ressource im Mehrkatzenhaushalt so wichtig ist
Für deine Katze bist du nicht einfach nur ein Mitbewohner.
Du gibst ihr Sicherheit, sorgst für Vorhersehbarkeit im Alltag, spielst mit ihr, streichelst sie, gibst Futter oder Leckerchen und schenkst ihr Aufmerksamkeit. All das hat für Katzen einen hohen Wert.
Vor allem im Mehrkatzenhaushalt kann genau daraus Konkurrenz entstehen.
Manche Katzen sichern sich deine Aufmerksamkeit besonders aktiv. Andere ziehen sich eher zurück und warten ab. Wieder andere beobachten die Situation zunächst und kommen erst dazu, wenn die andere Katze gegangen ist.
Ich habe diesen Fehler selbst gemacht
Genau das ist mir mit meinen eigenen Katzen passiert.
Charlotte war immer die schüchterne Katze. Sie wirkte auf mich sensibler und irgendwie hilfsbedürftig. Ganz unbewusst habe ich ihr deshalb oft mehr Aufmerksamkeit geschenkt. Ich wollte ihr einfach Sicherheit geben.
Keno dagegen war völlig anders. Er war selbstbewusst, neugierig und hat sich meine Aufmerksamkeit regelrecht genommen. Er kam sofort angelaufen, sprang auf den Schoß oder drängelte sich dazwischen. Dadurch hatte ich oft das Gefühl, dass er mich gar nicht so dringend braucht wie Charlotte.
Erst später wurde mir bewusst, dass ich unbewusst ein Ungleichgewicht geschaffen hatte. Nicht aus Absicht, sondern weil ich jeder Katze helfen wollte.
Heute achte ich viel bewusster darauf, dass keine meiner Katzen dauerhaft zu kurz kommt und sich keine Katze den Zugang zu mir ständig sichern oder erkämpfen muss.
Gleich behandeln oder gerecht behandeln?
Das bedeutet allerdings nicht, dass jede Katze exakt gleich behandelt werden muss.
Jede Katze ist anders.
Die eine liebt ausgiebige Kuscheleinheiten. Die nächste möchte lieber spielen. Eine dritte genießt zwar Nähe, entscheidet aber selbst, wann sie Kontakt möchte.
Es geht deshalb nicht um Gleichbehandlung, sondern um Fairness.
Beobachte deine Katzen genau. Gibt es eine Katze, die sich immer vordrängt? Oder eine, die regelmäßig zurücksteckt? Solche kleinen Muster fallen im Alltag oft gar nicht auf und können sich mit der Zeit trotzdem auf das Zusammenleben auswirken.
Typische Situationen, in denen Konkurrenz entstehen kann
Besonders häufig beobachte ich Konkurrenz um den Menschen in ganz alltäglichen Situationen:
- wenn du nach Hause kommst
- beim Kuscheln auf dem Sofa
- im Bett
- bei Leckerchen aus der Hand
- während des Spielens
- beim Clickertraining
- wenn eine Katze den Weg zu dir blockiert
- oder wenn eine Katze ständig zwischen dich und die andere Katze geht
Nicht jede dieser Situationen ist problematisch. Erst wenn eine Katze dauerhaft verdrängt wird oder kaum noch die Möglichkeit hat, selbst Kontakt aufzunehmen, lohnt sich ein genauerer Blick.
So kannst du Konflikte vermeiden
Versuche nicht, jede Minute deiner Aufmerksamkeit gleichmäßig aufzuteilen.
Viel wichtiger ist, bewusst wahrzunehmen, wie deine Katzen miteinander umgehen.
Achte darauf, dass jede Katze regelmäßig ungestörte Zeit mit dir verbringen kann. Belohne ruhiges Verhalten und versuche zu vermeiden, dass sich aufdringliches Verhalten immer wieder auszahlt.
Manchmal hilft es schon, eine Katze bewusst zuerst anzusprechen oder sich für ein paar Minuten nur ihr zu widmen. Kleine Veränderungen können im Alltag einen großen Unterschied machen.
Fazit: Der Mensch als Ressource im Mehrkatzenhaushalt
Futter, Wasser, Liegeplätze und Katzenklos gehören zu den wichtigsten Ressourcen im Mehrkatzenhaushalt.
Mindestens genauso wichtig bist aber auch du.
Nicht weil Katzen menschliche Eifersucht empfinden, sondern weil deine Aufmerksamkeit, deine Nähe und deine Zeit für sie einen hohen Wert haben.
Je bewusster du damit umgehst, desto besser kannst du erkennen, ob sich zwischen deinen Katzen unbemerkt Konkurrenz entwickelt. Oft sind es gerade diese kleinen Veränderungen im Alltag, die langfristig zu einem entspannteren Zusammenleben beitragen.
