Futter und Jagdverhalten im Mehrkatzenhaushalt hängen enger zusammen, als viele denken. In der freien Natur setzt sich eine Katze nicht zweimal am Tag an einen vollen Napf. Fressen ist für sie also eigentlich eine Aufgabe und keine Selbstverständlichkeit, die einfach passiert.
Im Mehrkatzenhaushalt kommt noch ein zweiter Punkt dazu. Futter ist dort nicht nur Nahrung. Es ist auch eine Ressource, um die es Konkurrenz geben kann, selbst wenn die Katzen sich eigentlich gut verstehen. Selbst wenn genug Futter für alle vorhanden ist, kann allein der Zugang zu dieser Ressource Spannungen auslösen.
Futter und Jagdverhalten im Mehrkatzenhaushalt: Was dahintersteckt
Wer Futter und Jagdverhalten im Mehrkatzenhaushalt verstehen will, muss wissen: Das Jagdverhalten hat direkten Einfluss auf das Miteinander. Wenn Katzen es nicht ausleben können, zeigt sich das oft an Stellen, an denen man es zuerst gar nicht vermutet. Betteln am Tisch, Unruhe mitten in der Nacht oder auch Spannungen zwischen den Katzen selbst. Nicht jede Rangelei im Haus hat mit Charakter zu tun, manchmal steckt einfach überschüssige Energie dahinter, die kein Ventil findet.
Futterspiele lenken diese Energie in eine Richtung, die für alle gut ist. Nebenbei können sie auch die Konkurrenz um den Futternapf entschärfen, weil jede Katze ihre eigene kleine Jagd bekommt, statt sich mit den anderen um dieselbe Futterstelle zu drängeln.
Mein eigener Trick: Leckerlis durchs Haus werfen
Kurz vorweg noch ein Wort zum Futter selbst. Katzen sind reine Fleischfresser und brauchen vor allem Feuchtigkeit und hochwertiges Eiweiß in ihrer Ernährung. Trockenfutter enthält im Vergleich zu Nassfutter deutlich weniger Feuchtigkeit. Als tägliche Hauptnahrung sollte es deshalb nicht die erste Wahl sein. Für das Spiel, um das es hier geht, eignet es sich trotzdem gut, einfach weil es nicht schnell verdirbt und sich problemlos durchs ganze Haus verteilen lässt. Bei mir kommt es aber nur zu diesem Zweck zum Einsatz, in kleinen Mengen, nie als Ersatz für eine richtige Mahlzeit.
Noch besser gefällt mir mittlerweile eine andere Variante. Wir dörren zu Hause ab und zu selbst Fleisch, zum Beispiel Hühnerbrust oder Rinderherz in dünnen Streifen, ganz ohne Zusätze. Das ist ein Snack, der zur Katze als Fleischfresser passt, und der sich genauso gut werfen und verstecken lässt wie Trockenfutter. Wer nicht selbst dörren möchte, findet inzwischen auch fertige gefriergetrocknete Fleischsnacks in guter Qualität, bei denen man auf der Verpackung nachlesen kann, dass wirklich nur Fleisch drin ist und keine Füllstoffe.
Wie auch immer man sich entscheidet, das Prinzip bleibt gleich. Ich verteile die Häppchen nicht einfach im Napf, sondern werfe sie quer durchs Haus, mal auf den Boden, mal auf einen Kratzbaum, mal in eine Ecke unter dem Sofa. Meine Katzen lieben das. Sie ziehen los, suchen, finden ein Stück hier, eins da, und sind danach spürbar zufriedener als nach einer Mahlzeit direkt aus dem Napf.
Es ist eine einfache Methode, aber sie wirkt, weil sie genau das anspricht, was Katzen von Natur aus tun wollen. Suchen, finden, fressen. Und aus dieser einfachen Idee lässt sich noch mehr machen, wenn man einen Schritt weitergeht.
Der besondere Teil: Geruchsfährten Training mit Steigerung
Bei Hunden gibt es dafür eine ganze eigene Disziplin, die unter dem Namen Mantrailing bekannt ist, mit klaren Stufen und viel Struktur. Für Katzen gibt es so etwas kaum, obwohl ihre Nase bei der Futtersuche eine viel größere Rolle spielt, als man oft denkt. Genau diese Lücke wollte ich mit einem eigenen Stufenkonzept füllen, das sich leicht zu Hause umsetzen lässt.
Der Aufbau erfolgt in fünf Stufen, und man geht erst dann zur nächsten über, wenn die vorherige sicher klappt. Sonst entsteht schnell Frust statt eines schönen Erfolgserlebnisses, und genau das will man ja vermeiden.
Stufe eins, sichtbar. Das Leckerli liegt offen sichtbar, etwa ein bis zwei Meter entfernt. Die Katze läuft einfach hin und holt es sich.
Stufe zwei, leicht verdeckt. Das Leckerli liegt unter einem leichten Tuch oder hinter einer Ecke, sodass die Katze kurz suchen muss.
Stufe drei, echte Fährte. Mehrere kleine Krümel desselben Leckerlis liegen in einer Linie, die über mehrere Räume zum eigentlichen Hauptgewinn führt.
Stufe vier, mit Ablenkung. Die Fährte führt jetzt an einem zweiten, weniger interessanten Geruch vorbei. So lernt die Katze, den vertrauten Geruch trotz anderer Düfte wiederzufinden.
Stufe fünf, zeitversetzt. Die Fährte liegt schon zehn bis fünfzehn Minuten, bevor die Katze sie bearbeiten darf. Der Geruch ist dann nicht mehr ganz frisch, und die Katze muss sich stärker auf ihre Nase verlassen.
Ein paar Dinge sind mir dabei besonders wichtig geworden. Immer denselben Lieblingssnack verwenden, ob nun selbst gedörrtes Fleisch oder ein hochwertiger Fertigsnack, damit die Katze den Geruch sofort wiedererkennt. Bei mehreren Katzen im Haus am besten einzeln üben, sonst entsteht schnell ein Wettrennen um die Fährte statt eines ruhigen Suchens. Und bei den kleineren Krümeln in Stufe drei und vier lieber vorsichtig sein, wenn die Katze noch jung ist oder Probleme mit den Zähnen hat, damit nichts zu hastig verschluckt wird.
Wer mit dem Werfen von Trockenfutter angefangen hat, kann dieses Fährten Training übrigens als nächsten Schritt sehen. Der Wurf weckt die Lust am Suchen, die Fährte gibt dieser Lust dann eine klare Richtung.
Was du sonst noch beachten solltest
Zusatzleckerlis sollten immer von der Tagesration abgezogen werden, sonst schleicht sich mit der Zeit Übergewicht ein, ohne dass man es merkt. Und auch bei den Snacks selbst lohnt sich ein Blick auf die Zutatenliste, denn hochwertiges Futter mit echtem Fleisch tut der Katze auf Dauer mehr gut als billige Füllware. Die Hauptmahlzeiten bleiben am besten weiterhin regelmäßig zur selben Zeit, nur die kleinen Spielportionen dürfen variieren.
Bei mehreren Katzen lohnt es sich außerdem, auch die Spielmöglichkeiten fair zu verteilen. Genauso wie beim Napf oder bei der Toilette sollte keine Katze eine andere von ihrer Jagd verdrängen können. Sonst wird aus einem schönen Ritual schnell wieder ein Grund für Stress.
Fazit
Futter ist für eine Katze mehr als reine Nahrung. Es ist eine Möglichkeit, ihr das zurückzugeben, was sie von Natur aus braucht, mitten im ganz normalen Alltag. Gerade im Mehrkatzenhaushalt kann das nebenbei auch die Konkurrenz zwischen den Tieren entschärfen und jeder Katze ihr eigenes, erfüllendes Erlebnis verschaffen.
